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EuroPeptiva

Was DSIP ist und warum sein Name verspricht, was seine Literatur nicht trägt

CAS 62568-57-4 C<sub>35</sub>H<sub>48</sub>N<sub>10</sub>O<sub>15</sub> 848,80 Da

Kurz gefasst

DSIP wurde 1977 aus Kaninchenblut isoliert und nach dem benannt, was man ihm zuschrieb: «Delta-Schlaf-induzierendes Peptid». Fast fünfzig Jahre später ist weder sein Gen noch sein Protein noch ein Rezeptor isoliert, und die Übersichtsarbeit zum Stand der Frage nennt die Schlafhypothese äußerst schlecht belegt. In der einzigen modernen kontrollierten Studie am Menschen, als Ergänzung zur Narkose, verringerte es den Delta-Rhythmus, statt ihn zu erhöhen.

DSIP (delta sleep-inducing peptide) ist ein Nonapeptid, das die Gruppe um Schoenenberger und Monnier in Basel 1977 aus zerebralvenösem Kaninchenblut isolierte [1]. Der Name beschreibt keine nachgewiesene Funktion: Er beschreibt die Hypothese, mit der gesucht wurde.

Der Name ist eine Hypothese von 1977, kein Befund

Das ist das Erste, was man über diesen Wirkstoff wissen muss, denn es strukturiert alles Weitere. Seit dem frühen 20. Jahrhundert wurde vermutet, dass humorale Faktoren Schlaf auslösen, und DSIP war einer von nur zwei, die gereinigt und charakterisiert wurden [2]. Benannt wurde es nach der ihm zugeschriebenen Wirkung. Ein halbes Jahrhundert später ist diese Wirkung weiterhin nicht belegt.

Was die Übersichtsarbeiten der achtziger Jahre beschrieben

  • Delta-Schlaf in mehreren Spezies. Die Übersicht von 1984 beschreibt vor allem die Auslösung von Delta-Schlaf bei Kaninchen, Ratte, Maus und auch beim Menschen, während bei Katzen die Wirkung auf den REM-Schlaf ausgeprägter war [2].
  • Eine U-förmige Aktivitätskurve. Sowohl für die gegebene Menge als auch für die Infusionsdauer — mehr war also nicht mehr, was jede einfache Lesart der Ergebnisse erschwert [2].
  • Viele Wirkungen außerhalb des Schlafs. Beschrieben wurden Veränderungen der elektrophysiologischen Aktivität, der Neurotransmitterspiegel im Gehirn, zirkadianer und lokomotorischer Muster sowie von Hormonspiegeln [2].
  • Und ein Fazit, das nicht gealtert ist. Die Aktualisierung von 1986 schließt damit, dass die physiologischen Funktionen des Peptids und sein möglicher Wirkmechanismus noch zu klären bleiben [3].

Die Übersicht, die es ohne Umschweife sagt

2006, dreißig Jahre nach der Isolierung, veröffentlichten Kovalzon und Strekalova eine Übersichtsarbeit mit dem Titel «ein noch immer ungelöstes Rätsel» [1]. Drei Punkte daraus:

  • Der Zusammenhang mit dem Schlaf wurde nie weiter charakterisiert, unter anderem — so schreiben sie — weil weder das DSIP-Gen noch das Protein noch ein möglicher Rezeptor isoliert wurde. Die Hypothese von DSIP als Schlaffaktor sei, in ihren Worten, äußerst schlecht belegt und weiterhin schwach.
  • Sein natürliches Vorkommen und seine biologische Aktivität bleiben unklar. DSIP-artige Immunreaktivität verteilt sich in neurosekretorischen Hypothalamuskernen verschiedener Wirbeltierarten, die für die Schlafregulation nicht besonders relevant sind.
  • Und der Punkt, der am schwersten zu schlucken ist: Die Autoren weisen darauf hin, dass bestimmte künstliche Strukturanaloga von DSIP — nicht aber DSIP selbst — in ihren eigenen früheren Studien den Tiefschlaf bei Kaninchen und Ratten förderten. Ihre Hypothese lautet, dass ein DSIP-ähnliches Peptid und nicht DSIP hinter dem Beobachteten steht.

Was am Menschen gemessen wurde — und was nicht herauskam

Es gibt Literatur am Menschen, und sie sollte ganz gelesen werden, nicht nach Titeln:

  • Wachstumshormon und Prolaktin bewegten sich nicht. Bei acht gesunden Frauen mit normalem Zyklus änderten sich weder die Basalwerte noch der zirkadiane Rhythmus beider Hormone noch ihre Reaktion auf Arginin [4].
  • Und das Ergebnis, das dem Namen widerspricht. 2009 prüfte eine randomisierte kontrollierte Studie an vierundzwanzig Patientinnen das Peptid als Ergänzung zur Isofluran-Narkose. Es erhöhte die Herzfrequenz, verringerte die Herzfrequenzvariabilität und verringerte paradoxerweise — das Wort stammt von den Autoren — den Delta-Rhythmus und hob den bispektralen Index, machte die Narkose also flacher. Ihr Fazit: Es senkte vermutlich den parasympathischen Tonus [5].

Eine einzelne Studie schließt keine Frage ab, und diese fand unter Narkose statt, die kein physiologischer Schlaf ist. Sie ist aber die modernste kontrollierte Arbeit am Menschen, und sie läuft in die entgegengesetzte Richtung zu dem, was der Produktname ankündigt. Wer es wegen seines Namens kauft, sollte das wissen.

Was es nicht gibt

Es gibt keine Zulassung für DSIP bei irgendeiner Behörde. Das Register Drugs@FDA liefert weder für «DSIP» noch für «delta sleep-inducing peptide» einen Treffer, abgefragt am 16. September 2026. Es gibt keine zugelassene Indikation, keine Dosierung und keinen validierten Verabreichungsweg für Menschen.

Diese Seite beschreibt veröffentlichte Literatur. Sie ist keine medizinische Information, beschreibt keine therapeutische Anwendung und ersetzt keine medizinische Fachkraft.

Worauf beim Anbietervergleich zu achten ist

  • Identitätsbestätigung der Charge per Massenspektrometrie. Es ist ein Nonapeptid mit bekannter, kleiner Masse: Die Masse identifiziert es eindeutig.
  • HPLC-Reinheit der konkreten Charge, mit einem vor dem Kauf einsehbaren Zertifikat.
  • Misstrauisch sein, wenn jemand die Schlafwirkung als gesichert darstellt. Die maßgebliche Übersichtsarbeit sagt das Gegenteil, und wer sie gelesen hat, kann das nicht behaupten.

Quellen

  1. [1] Kovalzon V.M., Strekalova T.V. (2006). Delta sleep-inducing peptide (DSIP): a still unresolved riddle. J Neurochem. PMID 16539679 Quelle ansehen
  2. [2] Graf M.V., Kastin A.J. (1984). Delta-sleep-inducing peptide (DSIP): a review. Neurosci Biobehav Rev. PMID 6145137 Quelle ansehen
  3. [3] Graf M.V., Kastin A.J. (1986). Delta-sleep-inducing peptide (DSIP): an update. Peptides. PMID 3550726 Quelle ansehen
  4. [4] Giusti M. et al. (1993). Delta sleep-inducing peptide administration does not influence growth hormone and prolactin secretion in normal women. Psychoneuroendocrinology. PMID 8475226 Quelle ansehen
  5. [5] Pomfrett C.J. et al. (2009). Delta sleep-inducing peptide alters bispectral index, the electroencephalogram and heart rate variability when used as an adjunct to isoflurane anaesthesia. Eur J Anaesthesiol. PMID 19142086 Quelle ansehen

Diese Seite gibt wieder, was in der wissenschaftlichen Literatur über ein Forschungsmolekül veröffentlicht wurde. Sie ist keine medizinische Information, beschreibt keine therapeutische Anwendung und ersetzt keine medizinische Fachperson. Das Produkt wird ausschließlich für die In-vitro-Forschung verkauft.

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